LLL Top-Tipp: Carmen Bregy. Im Stillen umarmt.

Du hast gelacht. Ein Lachen, das auf meinem Gesicht seither nie mehr verloren ging. S. 15

Stellen wir uns einmal vor, wir verlieben uns in eine Frau. Unfassbar, sie tut es auch. Doch dem blauen Himmel einer schönen Verbindung folgen graue Wolken. Mit den Konflikten kommt die Trennung. Ein Gefühl, das wir alle kennen. Was kommt sind die vielen Gedanken, die sich in Kreisen verfangen, die Trauer mit zahlreichen Erinnerungen, Ängsten, Sehnsucht, aber auch das Verarbeiten.

Genau darum geht es in Carmen Bregys Roman „Im Stillen umarmt“. Zwei Frauen, die einander hatten, dann losließen, und doch verbindet sie etwas Besonderes.

Das Buch ist in bestimmte Abschnitte und damit auch in immer wieder wechselnde Zeiten geteilt. Die Zeit, in der sie sich zum Beispiel sehen, „Treffen“, und die zahlreichen Stunden, Wochen…, in denen sie sich nicht sehen, „Zeit ohne dich“.

Beide Frauen verreisen zu einer kalten Jahreszeit zusammen in die Toskana und machen eine Pilgerreise. Reisen, die beide Frauen verbindet und zugleich trennt. Zwischen Nähe und Distanz mischen sich die Gefühle beider, aber auch ihre Auseinandersetzungen ihrer Trennung sowie Verbindung.
Die Schönheit des Buches ist, dass alles wie in einem langen, absolut flüssigen und doch gelegentlich wieder neuangesetzten Liebesbrief geschrieben steht.
Alles ist wunderbar mit einer großen Tiefe und so einfühlsam geschrieben worden.

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Ein Buch, das von poetischen Sätzen und der perfekten Ausnutzung der Sprache lebt.

Das Buch ist schwer zu beschreiben. Es ist wie eine Rose, die immer die Königin der Blumen ist aber doch Dornen hat, und das macht es so vollkommen.

„Du schläfst ein. Ich liege da. Mit meinem Herzen, das aus der Brust hängt.“ S.39

Manchmal müssen wir lesen, was wir kennen, gerade fühlen. Könnte ein Schmerz besser beschrieben werden? Wohl kaum. Von diesen kleinen Dornen, die aber so wunderbar sind, gibt es viele, aber sie helfen durch alles durchzugehen, wenn die Liebe geht.

Dieser Roman zeigt so viele Bilder einer Liebe, aber auch den Alltag dazu und gleichzeitig sind darin wichtige und gerade sehr aktuelle Themen, wie der Kinderwunsch bei homosexuellen Paaren enthalten.

„Und sicher sind Kinder von Schwulen und Lesben ein weiterer Schritt zur Akzeptanz unserer Lebensform.“ S. 154

In vielen Zeilen erkannte ich mich wieder, konnte das Gefühl der Leere nachempfinden. Aber auch das sich Gegenüberstehen und die wieder gewonnene Freiheit zu genießen, während doch ein anderer Teil oder das andere Herz gern zurückkehren möchte.
Manchmal verschwindet dann das Lachen, und es folgt Schweigen, obwohl man reden sollte. Ja, genau darum geht es in diesem Roman.

„Dein Lächeln ist ein Don Quijote-Kampf im Alltag, der gleich morgen wieder beginnt.“ S. 139

Fast am Ende der Rezension halte ich das Buch noch einmal in der Hand. Gerade erst hatte ich das Buch noch einmal gelesen, wie schon so unzählige Male zuvor. Ich streiche über den Buchdeckel, blättere die Seiten um, so dass sie Wellen ergeben, und kurze Gedanken fliegen durch den Raum.

Bücher bedeuten mir alles, aber dieses hat neben „Naokos Lächeln“ von Haruki Murakami einen besonderen Platz und eine besondere Bedeutung. Manchmal verbinden wir gute Bücher zusätzlich mit Menschen, die uns viel bedeuten, egal ob wir sie einst liebten, noch immer lieben oder egal, ob wir vielleicht gar nicht verstehen, warum eine Frau eine gewisse Bedeutung hat.

Könnte ich selbst ein Buch auszeichnen oder für eine Auszeichnung vorschlagen, ich würde dieses nehmen. Kein anderes Buch bewegt und versteht so sehr und das mit grandiosen Seiten, die sich immer wieder fast wie neu lesen lassen, wenn man sie einmal braucht oder nur gern darin wieder liest, weil es so unsagbar schön ist.

„Ich habe Parallelen in meinem Leben entdeckt, was immer so ist, wenn man sich in einem solchen Zustand in ein Buch stürzt. Man glaubt sich im Protagonisten, der am Schluss die Einsamkeit wählt wieder zu erkennen. “ S. 108

Ein Zitat des Buches, das nicht passender sein könnte. Ich danke dem Querverlag und damit Ilona und Jim, dass sie dieses wundervolle Buch herausgebracht haben.

Fazit: Ein so wundervolles Buch. Nein, das Beste der lesbischen Literatur. Das ist die Sprache wirklich ausschöpfen. Poetisch, einfühlsam, mit unendlichen Tiefen. Kein Kitschroman und keine gewöhnliche Unterhaltungskost zum Lesen. Carmen Bregy beherrscht das Schreiben, wie einen perfekten Pinselstrich, aus dem ein unvergessliches Bild entsteht. Lesenswert ist zu schwach ausgedrückt. Es ist ein Schatz und nahezu ein Muss über diese Seiten zu lesen.

Carmen Bregy. Im Stillen umarmt. Querverlag. 156 S. 14.90 €

© Rezension: Sanni Bücherwurm. Team Lesbisch-Literarisch-Lesenswert

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